#1 "Legasthenie ist keine Lernschwäche sondern eine Lehrschwäche." (Hiltraud Prem) von Franz Josef Neffe 05.02.2013 20:24

"Von 1970 bis 1995 stieg dier Zahl der Schulpsychologen in den USA von 455 auf 16.146. In derselben Zeit nahm die Zahl der Kinderselbstmorde von ca. 200 auf ca. 10.000 zu."
(zitiert aus: Horst v.Hasselbach: Unter neuem Namen, S.126, Braubach 1998)

Die Entwicklung der Kunstkrankheit "Legasthenie" erinnert mich stets an das o.g. Zitat. Seit dem KMK-Beschluss vom April 1978 - also seit fast 35 Jahren - wird in Deutschland die Legasthenie offiziell a) anerkannt, b) in den Mittelpunkt gestellt, sodass sich alle/s um sie drehen/t, c) therapiert. Die Ergebnisse sind mehr als beachtlich: Längst schreiben wir mehr als doppelt soviel Fehler wie damals.

"Legasthenie" ist ein lateinisch-griechisches Bastardwort von lat. "legere = lesen" und griech. "asthenäs = schwach". Es wurde als Fachbegriff für Lese/RechtschreibSCHWÄCHE etabliert. Die gesamte Wissenschaft und Praxis, ja ganze Industriezweige arbeiten inzwischen für die - wörtlich: LeseSCHWÄCHE.

Wenn ich in meinen Ich-kann-Schule-Vorträgen nach dem Fachbegriff für LeseSTÄRKE frage, herrscht immer Schweigen. Es gibt keinen Fachbegriff für LeseSTÄRKE. Damit ist das päd.-therap.-wissenschaftliche und auch allgemein gesteuerte Interesse an LeseSTÄRKE exakt beschrieben.

RECHTSCHREIBSCHWÄCHE müsste auf pädagogisch-wissenschaftelhuberisch ORTHO-GRAPH-ASTHENIE heißen - in diesem Falle kein Bastardwort, da alle Wortteile aus dem Griechischen. Aber um Genauigkeit geht es in der Pädagogik und anderen kranken "Systemen" gewöhnlich nie.

Meine verstorbene Kollegin Hiltraud Prem war eine Lehrerin, die Jahr für Jahr die gängigen Legasthenie-Theorien in der Praxis ad absurdum geführt hat. Da musste sie nicht weit führen.

Bei ihr lernten regelmäßig ALLE Kinder in 1/3 der üblichen Zeit = in 1/2 Jahr nicht nur RICHTIG sondern vor allem beGEISTert lesen.
Frau Prem kommentierte: "Legasthenie ist ein Gespenst und Gespenster gibt es nicht." und, noch deutlicher: "Legasthenie ist KEINE LERN- sondern eine LEHRschwäche." Sie zeigte auch ganz praktisch, womit eine lebensblinde Pädagogik ständig selbst Probleme verursacht und groß macht.

In einem einjährigen Schulversuch zur Prem-Methode mit über 70 Lehrern aus Bayern, Hessen und Österreich, bekundeten alle Lehrkräfte, dass dies das erste stressfreie Schuljahr ihrer Laufbahn war und dass sie die Prem-Methode beibehalten.

Es gibt also zum Thema "Legasthenie" sehr weit auseinander liegende a) prtaktische Ergebnisse und b) darauf basierend auch sehr weit auseinander liegende Standpunkte.
Nicht zu überhören scheint mir, dass aus der LEHRSCHWÄCHE LEGASTHENIE inzwischen immer lauter zu hörende Krankheit zu werden scheint, die sich so schreibt: LEGASTÖHNIE.

Durch meinen eigenen, jahrzehntelangen Recherchen, Erfahrungen, Experimenten für die neue Ich-kann-Schule habe ich ein konkretes Bild gewonnen, dass einerseits viele nicht beachtete, verdrängte Probleme auf der Pädagogenseite erhellt sehen will und andererseits zu ganz anderen Ergebnissen kommt, wenn die Pädagogik statt behauptete Schwächen zu bekämpfen endlich einmal die wegdiagnostizierten aber tatsächlich sehr wohl vorhandenen geschwächten Stärken stärkt.

Wir haben nie untersucht und immer verdrängt, dass die meisten Lehrer gerade zu ihrem eigenen Schreiben selbst eine höchst belastete, unerlöste und unverstandene innere Beziehung und Einstellung haben. Wie kann man Kinder für´s Schreiben beGEISTern, wenn man es selber fürchtet und hasst?

IN WELCHEM GEIST WIR ES TUN, das ist in der neuen Ich-kann-Schule die entscheidende Schlüsselfrage, die viel wichtiger ist als die Frage, WAS wir tun und WIE wir es tun. Es ist sehr oft wirklich grauenhaft, wie mit GEIST in unseren Schulen heute umgegangen wird.

Wenn ich hier den Finger auf so existenzielle Wunden der Pädagogen lege, dann nicht, um damit erneut zu verletzen sondern um zu zeigen, wie wichtig es wäre, in der Pädagogik endlich aus den Zeiten der Leibeigenschaft in die reale Gegenwart zu kommen. Es muss endlich auch den Lehrern in ihren wirklichen Nöten wirklich geholfen werden. Und wir müssen endlich den Barbarismus beenden, statt pädagogische Fehler zu reflektieren und zu korrigieren immer nur die Förderung der Kinder noch sturer zu forcieren.

Die Kinder, die wir "Legastheniker" nennen, weil wir ihre wirklichen Probleme nicht verstehen und nicht lösen können und Angst haben, dass herauskommt, dass wir nicht für unser Amt taugen, sind in der Regel überdurchschnittlich FEIN Begabte. Zu FEIN begabt für grobe, PLUMPE Pädagogik. Die Fehler dieser Kinder spiegeln zutiefst genau die Fehler der ihre FEINEN und alles entscheidenden Geistes- und Seelenkräfte missachtenden Pädagogik und Pädagogen wider. Man kann es geradezu messen und auch experimentell bestätigen.

In der Ich-kann-Schule weiß jedes kleine Kind, was in unseren Lehrplanvollzugsanstalten stur verdrängt wird:

Probleme SIND gar KEINE SACHprobleme, sie erSCHEINEN nur immer als SACHprobleme.
Probleme SIND immer PERSÖNLICHE Probleme.

Das bedeutet ganz praktisch, dass die Rechtschreibfehler nur aufSCHEINEN lassen, dass das Kind ein Problem mit sich selbst, also mit seiner Persönliochkeit hat. Da sich die Pädagogik immer nur und auch noch immer mehr auf das SCHEINproblem stürzt, wird das Problem nie durch Pädagogik - manchmal jedoch trotz derselben - gelöst.

Wenn die Pädagogik die ohnedies längst durch ständig erlebte Sinnlosigkeit erschöpften Kräfte & Talente weiter drängt, sich matt und platt zu üben, lernt das Kind doch sowieso nie Rechtschreiben. Es lernt vielmehr mit Hilfe von Rechtschreibquälereien a) Versagen, b) Abneigung, c) Ängste, d) Aus- und andere Flüchte und mehr desgleichen.

Wenn ich nun einen "diagnostizierten Legastheniker" als Persönlichkeit achte, seine päd. verchaotisierten Talente voll anerkenne und noch auf weitere Weise für PERSÖNLICHKEITSWACHSTUM sorge, dann FÜHLT er sich auf einmal nicht nur seinen Aufgaben GEWACHSEN sondern er IST es auch. Ich erlebe dann, dass Kinder plötzlich Dinge können und auch tun wollen, die sie nach ihren "Diagnosen" nie im Leben können dürften. Und sie können das, ohne dass wir einen Buchstaben dafür geübt hätten, und sie verlangen, wenn ich dass so weiterentwickle, von sich aus nach schwereren Aufgaben.

Wir brauchen also nicht zu theoretisieren, es lässt sich alles ganz konkret und praktisch a) durch genaue, sorgfältige Beobachtung und b) kleine Experimente aufzeigen.

Statt die Sysiphusarbeit einer Misserfolgspädagogik fortzusetzen, die doch längst allen zum Hals heraushängt, sollten wir nach konkreten praktischen Beispielen und Vorbildern schauen, die dem KÖNNEN jede Chance geben und es zum Wachsen bringen. Wir müsen - wenn wir uns nicht noch weiter ruinieren wollen - endlich mit dem Irrsinn aufhören, immer mehr BeSCHEINigungen auszustellen, dass man als NICHTKÖNNER durch´s Leben kommt. Das ist glatter Betrug.

Das Leben erspart keinem einzigen Menschen, sein ganzes Leben lang IN ALLEM KÖNNEN ZU LERNEN.

Wenn der Lehrer statt SchreibenKÖNNEN SchreibenNICHTKÖNNEN lehrt, wenn der Bäcker statt Broten Steine bäckt und nicht wieder Brotbacken lernt, dann wird es Zeit, den Laden zu schließen.

Freundlich grüßt

Franz Josef Neffe


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