#1 Mobbing haben wir alle in der Schule gelernt. von Franz Josef Neffe 20.07.2012 11:41

Kommentar zu: "Psychotherapeut rät: Bei Mobbing sofort aktiv werden!"

Mobbing ist ja Aktivität.
Aktivität, die einem schlagartig die eigenen Schwachstellen ins Bewusstsein hebt.
Das ist ja gerade der Gag am Mobben: dass selber Schwache andere Schwache damit nach unten drücken.

Dieses Nach-unten-Drücken, haben wir das nicht schon in der Schule Tag für Tag eingeübt?
Musste man sich nicht ständig dem Unterrichtsablauf unterwerfen und sich in jede vorbereitete Schablone einfügen und wenigstens so tun, als ob man mitmacht?
Immer die Ohnmachtsgefühle verdrängen, ständig darauf warten dass das aufhört oder dass man den Spieß einmal umkehren kann - ist das nicht die mustergültigste Ausbildung für Mobber und Mobbingopfer?

Unterrichtsvollzugsanstalten sind "Mobbingakademien".
Man übt mit Hilfe von Unterricht ein, gezwungen zu werden und Zwinger werden zu wollen.
Manche schaffen den Sprung vom Opfer zum Täter, die meisten bleiben gelernte Opfer, die sogar ihren Kindern dazu helfen, ebenfalls gute Opfer zu werden.

Nur wenn wir aufhören, das DU-MUSST immer weiter zu perfektionieren,
und wenn wir endlich das ICH-KANN in jedem Kind respektieren, zur Entfaltung, zum Wachsen und konstruktiv Gestalten kommen lassen,
werden aus "Mobbing-Akademien" wirkliche Schulen.

Freundlich grüßt

Franz Josef Neffe

#2 RE: Mobbing haben wir alle in der Schule gelernt. von Nad 21.07.2012 18:20

Hallo Herr Neffe,

Mobbing - in aller Munde - ebenso wie der Begriff - Burnout - diese beiden Begriffe genießen, im wissenschafltichen Kontext als auch in der Öffentlichkeit, starke Popularität.

Wie definieren Sie diese Begrifflichkeiten? Kann mant eventuel ein Zusammenhang zwischen Mobbing und Burnout sehen?
Wie grenzen Sie die Begriffe vonanander eindeutig ab? Hiermit meine ich vor allem, Symptome die durch Mobbing oder Burnout hervorgerufen werden können.
Von ----- bis = Burnout. Ab hier ___ da ist es kein Burnout mehr, sondern man wird Bspw. dem Leistungsdruck (beruflich und/oder privat) nicht gerecht? Sind Schlafstörungen sofort ein Symptom des Burnoutsyndroms?
Wenn man dem Leistungsdruck nicht gerecht werden kann, könnte sich dahinter eine Mobbinggeschichte verbergen? Oder was ganz anderes? Oder schlicht: man wird einem spezifischen Leistungsdruck nicht gerecht. Weil.....(auch hier sind mehre Möglchkeiten denkbar)

Liebe Grüße

Nad

#3 RE: Mobbing haben wir alle in der Schule gelernt. von Franz Josef Neffe 21.07.2012 21:41

Einer meiner Grundsätze als Ich-kann-Schule-Lehrer ist, dass ich zu Theorien erst durch praktische Erfahrung komme.
Das bedeutet ganz praktisch, dass ich erst mal wenigstens ein Problem konkret praktisch löse.
Die nächste Frage ist dann immer: "Zu was brauchen wir jetzt noch Theorie, wenn das Problem praktisch gelöst ist?"

Wenn wir uns praktisch und konkret umschauen in der Pädagogik und den anderen Wissenschaften, sehen wir, dass die Theorien immer von den Zuschauern aufgestellt werden, die selbst noch kein Problem gelöst haben.
Am höchsten blühen die Theorien, wenn die Zuschauer auch noch Akteuren zuschauen, die auch kein Problem lösen können und nur vorgeschriebene Schablonen abwickeln.
Wir finden das im Leben immer wieder, auch wenn wir uns die Lebenswerke bekannter Leute anschauen:
Sigmund Freud z.B., berichtet in seinem Werk a) von seinen ungelösten Problemen und b) seine Theorien, mit denen man immer tiefer ins Problem hinein kommt.
Émile Coué, sein Altersgenosse, hatte für Theorienschreiben keine Zeit. Er hatte täglich von früh bis abends das Haus mehrfach voll mit Leuten, mit denen er nichts anderes tat als KONKRET PROBLEME LÖSEN.
Was er aus seiner Erfolgspraxis als Theorie ableitet sind wenige Kernsätze, mit denen man handlungsfähig ist.

So möchte ich auch nur ganz kurze, praktische Anmerkungen machen.
Wenn der Autotank leer ist, bleibt das Auto stehen. Wenn der Mensch seine Geist+DSeelentanks leerfährt, bleibt er auch auf der Strecke. In beiden Fällen ist Auftanken in der Regel alles, was zur Problembehebung nötig ist.
Aus Geschäftsgründen und um ggf. vom eigenen Nichtkönnen abzulenken, erzählt man uns eine Menge anderes. Jeder könnte es einfach prüfen, das Gute behalten und das Schlechte auf den Müll werfen.
Wir prüfen nicht. Wir gehen mit der Mode.

Auf meiner Visitenkarte steht: "Beim Burnout verbrennt ja nicht der Mensch sondern nur der Schmarrn, den er sich hat ins Hirn setzen lassen."
Wir glauben: "Gib dir Mühe! Streng dich an! Überwinde dich!" - Wer sich Mühe gibt, kriegt sie. Wer sich anstrengt, ist angestrengt. Wer sich überwindet, ist überwunden."
Wer solch hahnebüchenen Unsinn glaubt und sich bis zum Gehtnichtmehr antut, hat seinen Burnout redlich verdient.

Auch beim sog. Mobbing ist das Problem dasselbe.
Mobben traut man sich nur die Schwachen.
Schwach ist, wer seinen Kräften nicht genug zu essen gibt. Wir füttern nur den Körper, die Kräfte von Geist und Seele lassen wir verhungern und quälen sie noch mit Übungen.
Wer von anderen gemobbt wird, hat sich längst davor schon selbst misshandelt.
Diesem Vorbild folgen dann andere und mobben dich auch.
Mobber sind so erfolgreich, weil sie mit deinen Kräften noch besser schlecht umgehen können als du.
Bei Mobbing, Burnout & Co. ist zweierlei als Hilfe nötig:
Erstens muss man aufhören, sich selbst wie einen Feind behandeln.
Zweitens muss man sein Freund und der Freud aller seiner Kräfte werden, sie stärken und pflegen und wachsen machen. Dann bekommen die anderen schon vor deiner Ausstrahlung Respekt.

Die Lösung ist auch hier einfach. Ob du in der richtigen Richtung unterwegs bist, erkennst du daran, dass es dir immer BESSER geht.
Wenn es dir schlechter geht, hilft nicht Fleiß und nnoch mehr Kraftverbrauch sondern Umkehr.
Wirkliche Problemlösung - und das gilt für alle Probleme - ist eine feine, sensible geistig-seelische Präzisionsarbeit.

Guten Erfolg, er ist möglich!

Franz Josef Neffe

#4 RE: Mobbing haben wir alle in der Schule gelernt. von Beethoven 01.08.2012 23:43

Wahnsinn! Eure Probleme möchte ich haben! Ich glaube dann ginge es mir besser!

#5 RE: Mobbing haben wir alle in der Schule gelernt. von Beethoven 01.08.2012 23:54

Was ist scheint ; was war bleibt! und alle Hundert oder möglicher Weise tausend Jahre werden Theorien; Wissenschaftler; Hypothesen; oder auch Erkenntnisse einfach entsorgt und mit der Metamorphase enstehen neue Momentaufnahmen! Das geht ganz einfach und tut garnicht weh; wenn die eigene Philosophie scheller amputhiert wurde, als man fühlen kann! Die Revolution beginnt immer mir einem Vatermord! Und es hört sich gut an; aber es ist unpassend! Zumindest im Moment!R.H.H. ala Beethoven!

#6 RE: Mobbing haben wir alle in der Schule gelernt. von tender 02.08.2012 08:44

moin beethoven,

sorry, aber aus deiner bemerkung kann ich leider nichts entnehmen.

was willst denn damit eigentlich ausdrücken?

grüßle

#7 Panta rhei - alles fließt. von Franz Josef Neffe 04.08.2012 19:11

Panta rhei - alles fließt.
Evolution ist auch dann, wenn grad mal keiner Zeit für Revolution hat.
Ein Prp-Blem - von griech. "ballein = werfen" - ist ja nur ein Ball, den uns das Leben zuspielt, um uns zu sagen: "Du bist noch im Spiel."
Das Spiel geht weiter.
Beethoven hat uns nur gezeigt, wie einfach es ihm besser gehen könnte.
Let´s play!
Franz Josef Neffe

#8 RE: Panta rhei - alles fließt. von Beethoven 05.08.2012 12:08

Hallo tender and F.J.Neffe, Marx schrieb einmal zu Engels: Heute schreibe ich Dir einen so langen Brief, da ich keine Zeit habe! Bei F.J.Neffe Kommentar würde ich ein Stück mitgehen! Wobei auch da der Weg das Ziel zu seinen scheint! Aber je nach Geschmack! Auch Schweiß kann duften ( O.H.) MAnchmal ist auch etwas schön anzuhören, obwohl jeglicher Sinn fehlt!


Grüße an Beide!
Beethoven!

#9 RE: Mobbing haben wir alle in der Schule gelernt. von tender 06.02.2013 12:27

hab soeben den link erhalten zu >>> Nein sagen lernen....wichtig wie nie?

wer nicht nein sagen kann, der mobbt sich wohl selbst am besten.

#10 Die Macht des Wortes lernen von Franz Josef Neffe 06.02.2013 23:47

Es ist überhaupt an der Zeit, dass wir nicht mehr - z.B. in unseren Lehrplanvollzugsanstalten - in vorgefertigte Wortschablonen hineindressiert werden sondern dass wir DIE MACHT DES WORTES konkret erproben und erfahren lernen.
"Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gsund - oder krank!" - die Bibel macht die Macht des Wortes schon 2.000 Jahre für uns zum Thema.
Da wird es doch wohl langsam mal Zeit, dass wir alle lenen, EIN WORT ZU SPRECHEN !
Wie aber soll man das von Unterrichtsvollzugsbeamten lernen, die selbst nicht wissen, wie das geht?
Es reicht nicht, NEIN sagen zu lernen.
DIE MACHT DES WORTES verstehen und damit umgehen lernen, darum geht es.
Also: nein sagen, wenn ich nein meine und die Wirkung NEIN haben will.
Und: ja sagen, wenn ich ja meine und die Wirkung JA haben will.
Es wird Zeit, dass der Geist in die Pädagogik zurückkehrt oder überhaupt erst dort auftaucht.
Ich wünsche uns allen guten Erfolg.
Franz Josef Neffe

#11 Und alle haben geschwiegen! von Christine B. Mager 05.03.2013 00:47



>>> Und alle haben geschwiegen!

Meine Urgroßtante gehörte zu den Menschen, die über Kinderheime genau Bescheid wußten. Sie erklärte mir noch bevor ich neun Jahre alt war, dass sie, falls ich mich ihrem Willen widersetzen würde, dass sie dafür sorgen würde, das ein zuständiges Jugendamt meiner Mutter ja auch das Sorgerecht aberkennen würde und ich mich dann mal umschauen würde, wenn ich in ein Kinderheim eingewiesen würde. Dort würde man schon ein gehorsames Mädchen aus mir machen. Auf meine Frage, woher sie das so genau wüßte, bekam ich nur zur Antwort, was ich doch für ein dummes Ding wäre.

Sie selbst ging auch davon aus, sie hätte das Recht mich zu schlagen. Natürlich angeblich zu meinem Besten. Bis zu dem Tag, an dem ich zufällig im Badezimmer neben ihr stand und in den dreiteiligen Spiegel des Aliberts guckte und erstaunt sah ich, dass ich inzwischen genau so groß war wie sie. Da faßte ich einen Entschluß, den umzusetzen ich sehr schnell Gelegenheit bekam.

Bereits zwei Tage später erhob sie geflissentlich die Hand um mir wieder einmal ihre Macht zu demonstrieren. Ich richtete mich in diesem Moment gerade auf und fing ihre Hand auf und sagte ihr ganz ruhig: "Wenn du mich noch einmal schlägst, dann schlag ich zurück." Für einen Moment sah sie mir völlig verdattert und starr in die Augen. Ich hielt diesem Blick stand und sagte nichts mehr. Und von diesem Tag an hat sie es nie wieder gewagt mich zu schlagen. Dafür hat sie sich jedoch revanchiert, in dem sie mich verbal demütigte wo immer sie mir etwas Gutes tun wollte.

Am Sonntag ging sie als gottesfürchtige Frau in die Kirche und sang besonders inbrünstig die Kirchenlieder. Für mich war das eine immer wiederkehrende Groteske.

Lange habe ich sie zutiefst verachtet und manchmal auch gehasst, kurzzeitig auch gefürchtet. Aber meistens habe ich sie bemitleidet. Ich habe mich gefragt, woher sie so ein Verhalten hat, und ich kam auch auf Grund einiger Randbemerkungen in meiner Familie zu dem Schluß, dass man ihr dasselbe oder Schlimmeres angetan haben mußte, und dass sie die Erinnerung daran nur ertragen konnte, in dem sie es weitergab, anderen Schultern auferlegte.

Die Argumentationen der Beschöniger sind mir außerordentlich geläufig... und ebenso widerwärtig.

#12 Feiner Einfluss auf die entscheidenden Kräfte des Lebens von Franz Josef Neffe 05.03.2013 20:57

Der Mensch spricht mindestens zwei Sprachen,
eine mit Worten und
eine weitere, die ich als so eine Art Bienentanz bezeichnen würde.
Durch das, was er mir AN-tut oder wenigstens anzutun trachtet, lässt er mich wissen, was ihm AN-getan wurde und dass und wie es noch AN ihm dran ist.
Wenn ich nicht auf demselben Niveau in die Konfrontation gehe und damit zeige, dass ich selbst ebenso schwer betroffen bin,
sehe ich aus einer höheren Warte, wie er mit seinen Kräften umgeht, und lese daraus ab, wie man mit seinen Kräften umgegangen ist.

Widerwärtig ist das Geschehen auf der Ebene, wo man selbst involviert ist.
Aus einer höheren Warte betrachtet, werden die sachlichen und personalen Zusammenhänge und Wirkungen sehr viel interessanter und erübrigen nach und nach emotional abhängige Reaktionen.
Das Befreiende ist ja, dass mit einem geistig höheren Niveau auch die emotionale Qualität steigt.
Wenn ich die wirkenden Kräfte besser verstehe, bekomme ich auch mehr Einfluss auf sie.
Dann strebe ich bessere Bedingungen für eine gute Entwicklung dieser Kräfte an, die sonst mit Strafen nur immer noch schlechtere Bedingungen für ihre Entwicklung bekommen.
Das Wichtigste aber erscheint mir, dass der, der zur Erkenntnis bereit ist und wirklich etwas Wesentliches erkennt, dadurch GEISTIGEN EINFLUSS auf die Kräfte aller Beteiligten bekommt.

Nicht grob sondern auf feinste Weise wird Wirkung auf die entscheidenden feinen Kräfte des Lebens möglich.
Dafür gibt es für uns alle noch viel zu lernen.
Ich wünsche guten Erfolg.

Franz Josef Neffe

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